Glossar
Hier soll der Versuch unternommen werden, einen kleinen Glossar für die häufigsten bzw. üblichsten Begriffe anzulegen. Weiterhin sollen seltene, oder nur schwer nachvollziehbare Begriffe erläutert werden.
- Across 110th Street = Gleichnamiger Film aus dem Jahre 1972, außerdem ein Lied von Bobby Womack, welches zum Film geschrieben wurde. Außerdem ist die 110. Straße die erste, die nördlich entlang des Central Parks in New York verläuft. Sie “trennte” den reichen Stadtteil Manhattan von Harlem, in dem überwiegend afroamerikanische Menschen lebten.
- Kunta Kinte = Name eines Sklaven, der die Hauptfigur im Roman “Roots” von Alex Haley ist. Wird auch als sehr saloppe Bezeichnung für fremde Afrikaner im Amerikanischen verwendet.
- Richard Pryor = ein über Jahrzehnte bekannter sog. “Stand-Up-Comedian” (Kabarettist), der sowohl durch Bühnenauftritte, Schallplatten und Schauspielerei in Filmen zu großer Popularität gelangte. Er übernahm in vielen namhaften Produktionen, z.B. im Film “Harlem Nights” mit Eddie Murphy, tragende Rollen.
In seinen Sketchen zeichnete er oft das Leben eines Afroamerikaners nach, der Probleme in der Gesellschaft hat.
Neben Paul Mooney und anderen Autoren für Filme und Serien war Pryor einer der prägendsten Personen für das N-Wort. Er benutzte es wahrscheinlich zunächst als Abgrenzungsbegriff, in einem stolzen Sinn. Gegen Ende seines Lebens jedoch distanzierte er sich vom Gebrauch des Wortes, wie auch Mooney. Er führte als Begründung an, der Begriff sei veraltet und “starr”.
In seinem privaten Leben war Pryor sieben Mal verheiratet, litt unter Drogensucht und galt innerfamiliär als gewalttätig. Er verstarb 2005 mit 65 Jahren an einem Herzinfarkt. - slave name = die Meinung, dass die englischsprachigen Vor- und Nachnamen im Kontext der Sklavenzeit der USA stehen. Mittels einer Umbenennung in einen religiösen Namen, einen geographisch verortbaren Namen (z.B. ein afrikanisch-islamischer Name) oder einen Künstlernamen erhofften und erhoffen sich die Menschen eine Befreiung von der Vergangenheit und das Erlangen einer neuen Identität. Oft ist die Umbenennung initiatorisch, d.h. als Übergangsritus zu einer neuen Identität zu sehen.
Heute entstehen daraus mitunter gesellschaftliche Nachteile, indem, wie in vielen Kulturen, Namen einer bestimmten sozialen Schicht zuzuordnen sind. Mit typisch afro-amerikanischen Namen sind in den USA oft soziale Nachteile verbunden. - tomming oder uncle tomming = Jemanden zu etwas stilisieren oder ideologisch aufladen, was er gerade NICHT ist. Der Ausdruck geht auf den Roman “Onkel Toms Hütte” von Harriet Beecher Stowe aus dem Jahr 1852 zurück. Der Roman handelt von einem Sklaven, der sich seinem Herrn unterwirft und sich – aufgrund seiner Weltsicht – in sein missliches Schicksal fügt (‘acting white vs. acting black’). Der Roman wurde aber als Fürsprache der Sklaven verstanden. Die Leser nahmen den Inhalt als revolutionär fortschrittlich wahr – bis in das 20. Jahrhundert hinein. Aber gerade das ist nach heutiger Sicht die Misslichkeit. Der Begriff wurde vor allem in der weiblichen Emanzipation wiederverwendet. So führt Mary C. Henderson in ihrem Buch “Theater in America” diesen Begriff als Bewertung des amerikanischen Theaters. Die Journalistin Ariel Levy führt diesen Begriff für die moderne Scheinemanzipation der Frauen an (vgl. “Female Chauvinist Pigs”, London 2005).
Weiterhin gibt es die Bezeichnung und Redensart des “uncle tom”, die aber vornehmlich abschätzig gebraucht wird.