Bring back Arsenio
“Arsenio Hall will get a new show in TV, called Good morning, black America. It’ll be shown at noon thoughout the country.”
So oder so ähnlich machte Dave Chapelle mithilfe der Person Arsenio Hall einen Witz in seiner Sendung.
Der Rapper Nasir Jones, besser bekannt unter seinem Pseudonym Nas, wünscht sich diesen Arsenio Hall zurück. Ungeachtet der Tatsache, dass Arsenio Hall nie richtig bekannt war (er war unter anderem an der Seite Eddie Murphys in Coming to America/Der Prinz aus Zamunda zu sehen), bedeutet das etwas besonderes: Er fühlt sich nicht mehr so richtig vertreten. Von einer Gruppe von schwarzen Amerikanern, die sich selbst als stark und unabhängig betrachten.
Das neueste Album, welches schon im letzten Sommer erschien, machte ordentlich Furore. Nicht nur, weil der Titel das unsäglich N-Wort war und das Album daraufhin ohne Titel erschien, sondern auch weil die angesprochenen Thematiken in den Liedern für manche unangenehm sind, für manche ein Befreiungsschlag, für manche aber auch ein vermeintlicher Rückschritt. Nas rappt sich in Rage. Manche Titel wirken wie die pure Wut. Er kotzt sich aus, über die Ungerechtigkeiten die bis zum heutigen Tag Afroamerikanern widerfahren, über die heuchlerisch-verlogenen Medien und die scheinbare Gelassenheit, mit der viele Schwarze selbst- und bewusstlos die Misere hinnehmen.
Die Texte erinnern an den Gesamttenor der 70er, in denen Kabarettisten wie Richard Pryor oder massenhaft Schauspieler und Sänger (dabei darf Isaac Hayes nicht vergessen werden, der stets stolz seine Glatze mit der dicken Goldkette darunter trug) mit de inflationären Gebrauch des N-Worte begannen und somit ein neues Bewusstsein für ihre soziale Situation fanden – zumindest behaupteten sie das.
“We changed the basis of derogatory phrases” aus dem Lied Y’all my Niggas
“Every word we use, it has a capacity
And if you don’t understand the words you’re using
And understand the capacity of it
You are using words that is creating a destiny for you
That you don’t even know, or even conscious of” Ebd.
Nas greift auf “Untitled” in die Geschichtstruhe. Er holt, oft leider auch wahllos und somit auch unverständlich, jede Menge Namen und Ereignisse heraus und zitiert sie an den Stellen, die die Zitate zu Argumenten machen. Dabei geht er oft prätenziös zu Werke, irrt sich wohl mitunter auch, was seine zitierten Vorbilder auf der einen Seite wirklich wollten und auf der anderen Seite nicht konnten.
Was er aber schafft ist, dass er die oft beschworene Phrase black awareness wiederbelebt.
Mit der Erwähnung von Willie Lynch greift er sogar noch die moderne Versklavung der Menschen auf, die den meisten oft nicht bewusst ist.
Weiterhin nennt er Menschen wie Reginald Lewis, Ivan Van Sertima, Chrispus Attucks Elijah Muhammad und Louis Farrakhan, die alle in gewisser Weise in das Bild eines Philo-Afroamerikaners passen. Letzterem widmet er mit dem Lied “Untitled” (der aufmerksame Leser weiß nun, wie das Lied eigentlich heißt) gar den Refrain. Das ist zwar ganz lieb von ihm, wird Farrakhan wohl bald gestorben sein und hat auch jetzt seine beste Zeit hinter sich, aber dass der unselige Farrakhan, seines Zeichens lange Anführer der Nation of Islam, der mit rassistischen, antisemitischen und Sympathiebekundungen gegenüber Hitler auffiel nun vom 36-jährigen Rapper derartig geehrt wird, will der philanthropische Hörer nicht recht verstehen. “They did not have the power to stop Louis Farrakhan.” wird immer und immer wieder, fast Mantra-artig, wiederholt.
Ordnet man das Album heute inhaltlich in die Politik ein, als einen Sozialkommentar, stellt man schnell unter Schmunzeln fest: Nas wusste ja gar nicht, dass Obama wirklich Präsident werden würde. Und somit ist ein Zitat und Sample von bereits verstorbenen Rapper Tupac Shakur (2Pac) nun ganz anders zu erleben:
“Although it seems heaven-sent, we ain’t ready, to have a black president”
Yes we are. [And apparently] we can.
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