I’m Rick James, bitch!

Mit dieser Aussage wurde der Schauspieler und Stand-up-comedian David Chappelle in den USA überdurchschnittlich bekannt.
Sie stammt aus einem Sketch, in dem der Schauspieler Charlie Murphy (älterer Bruder von bekannten Schauspieler Eddie Murphy) von seinen vergangenen Hollywood-Eskapaden der 80er Jahre berichtet. Hier spielt Chappelle den scheinbar verrückten Rick James, der in den 80er Jahren ein populärer Funk-Sänger war. Der Sketch zeigt im Wechsel den Erzähler Murphy, der von seinen Problemen (Auseinandersetzungen und Schlägereien) mit Rick James erzählt, und den Szenen, in denen die Handlung gezeigt wird.
Abschließend wird nicht ganz deutlich, ob die Geschichte wirklich passiert ist. Einerseits ist es glaubwürdig, dass Murphy in jeder Zeit so etwas erlebt hat (Alter und berühmter Bruder). Andererseits ist die Darstellung so überzeichnet, dass an der generellen Wahrheit gezweifelt werden mag. Der Sketch zog angeblich einen Streit zwischen dem echten Rick James nach sich – der aber auch nur fingiert gewesen sein könnte.

Dave Chappelle ist für einige aufmerksame Filmfans kein Unbekannter. Er spielte bereits in der Robin Hood-Persiflage „Helden in Strumphosen“ Anfang der Neunziger den „Hatschi“, in den nächsten Jahren u.a. „Der verrückte Professor“ und „Con Air“. 1998 schrieb er den unterirdisch schlechten Film „Half Baked“, in dem drei Jungs ihren vierten Kumpel aus dem Knast holen wollen – glaube ich… Sie erhalten dabei Unterstützung von einer ganzen Menge Marihuana, das sie auch rauchen. Mit dem Film manifestierte sich Chappelle als Messias der Kiffer; ich z.B. habe den Film noch nie nüchtern gesehen. Er ist wirklich sehr schlecht. Hat aber Kultstatus.

Mit der Chappelle’s Show bekam er eine eigene Sendung beim Sender Comedy Central. Inhalt der Sendung sind meist kurze Sketche. Die Sketche handeln häufig von den Unterschieden zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in den USA. Auch verulkt er berühmte Persönlichkeiten. Einige Charaktere tauchen auch in mehreren Sendungen auf. Zum Beispiel der crackabhängige Tyrone Biggums. Der Inhalt der Sketche ist geprägt von grobem, teils fäkalem Humor. Chappelle spielt mit den üblichen Vorurteilen, die oft in komischer Weise von den Charakteren bestätigt werden. Unterstützt wird Chappelle dabei von einigen weniger bekannten Schauspielern und Comedians (u.a., wie bereits erwähnt, Charlie Murphy) und hin und wieder auch von berühmten Sängern oder Schauspielern (Rapper des Wu-Tang Clans, Snoop Doog oder Susan Sarandon).
Über die Zeit der Ausstrahlung in den Jahren 2003 und 2004 wurden einige Sprüche und Gesten in den USA zu bekannten Ausrufen (siehe die Überschrift). Obwohl eine dritte Staffel geplant war, stieg Dave Chappelle aus der Serie aus. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, aber es wird gemutmaßt, dass Chappelle unter Depressionen litt (Hinweise dafür gibt es sogar in den Sketchen).

Chappelle’s Show ist wirklich lustig. Immer wieder wundert sich der Zuschauer, wie Chappelle es schafft, die üblichen Vorurteile so genau zu zeichnen und sich über den Kern der Dinge lustig zu machen. Deutsche werden dabei sofort an Kaya Yanar denken, der sich in Deutschland ähnlich zu den Unterschieden zwischen den Herkunftsnationalitäten ausließ.

Doch schafft es Chappelle wirklich, die Unterschiede durch Humor und Spaß aufzuheben? Ich sage nein. Die Vorurteile sind oft nicht der Realität entsprechend. Es ist sicherlich richtig, dass viele Weiße Rockmusik mögen. Aber Schwarze nicht weniger. Dagegen wissen Schwarze sehr wohl, was ein Vibrator ist, und weiße können auch zu R&B-Musik Sex haben. Diese Vorurteile sind lustig, zumal sie wirklich in der Vergangenheit produziert und wohl auch berechtigterweise hervorgebracht wurden. Aber es wird sich nichts ändern, wenn sie auch heute noch Verbeitung finden. Ganz besonders, wenn es um das N-Wort geht. Allen voran nutzte Gast Paul Mooney (Produzent und Schreiber von alten Stand-up-comedians der 60er Jahre wie Richard Pryor) die vermeintliche Befreiungsdenunziation – der sogar inzwischen jenem beleidigenden Wort abgeschworen hat (prägte es doch den ganzen Humor seines Lebens).
Dave Chappelle orientiert sich in seiner Show an Schwarzer Subkultur alter Größen und alter Stars (z.B. die TV-Serie Good Times oder Gary Coleman). Aber er schafft es nicht eine neue Art von Humor zu schaffen, die mit alten Vorurteilen aufräumt und Platz für neue Kulturinterpretation gibt.


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