Super Fly

Vorbemerkung:

Eigentlich wollte ich ja zwei Artikel über Super Fly schreiben. Da die Musik im Film sicherlich nicht nur für mich einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, wäre eine eigene Ausarbeitung angebracht. Aber irgendwie muss ich doch zugeben, dass der Film nur als Ganzes zu sehen ist. Vielleicht schreibe ich aber dennoch etwas zur Musik, die nämlich allein, losgelöst vom Film, funktioniert. Der Film wäre wohl aber ohne Musik nicht das, als was er heute gilt.

Der Film:

Gehen wir also in medias res und schauen auf das Plakat, das vor dem Kino hängt. Heute ist der 13. August, ein warmer Sommerabend, und ich will mir den neuen Film „Super Fly“ im Kino ansehen. Angepriesen wurde er doch recht deutlich. Dieses Jahr, speziell der die letzte Woche war in Sachen Kino eine tolle Zeit. Nachdem im Frühjahr Der PateWas Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten, der jetzt schon fast einer meiner Lieblingsfilme ist. Ansonsten habe noch dieses Jahr Frenzy von Hitchcock und CabaretFrench Connection auch hier. im Kino für Furore gesorgt hatte war ich letzte Woche in einem Film von einem gewissen Woody Allen, der trug den ungewöhnlichen Titel gesehen, den fand ich aber blöde. Nun kann ich endlich wieder einen Film aus meiner Stadt sehen, nachdem Coppola eine wirklich abstruse Seite der Stadt gezeigt hat. Überhaupt reden alle von New York, letztes Jahr spielte der Oscar-Film

Neben dem Titel steht noch ein kleines ‘X’, was soll das wohl bedeuten? Super hood, super high, super dude steht da auch. Mal sehen, wie teuer der Film ist. Und mal sehen ob Frauen im Film auftauchen. Mein Bruder erzählte mir davon, dass im Sommer ein Pornographie-Film namens Deep Throat im Kino lief, in dem die Frauen nackt waren.

Die Musik geht sofort ins Ohr. Schon in der Eröffnungsszene singt Curtis Mayfield, dass sofort klar wird, wie die Stimmung im Film ist: Du musst doch schon anstrengen, wenn du es schaffen willst. Im Norden von Manhattan bekommt man nichts geschenkt.

Der Plot des Films ist schnell erzählt: Priest, ein Drogendealer der seinen Stoff von einem Restaurantbesitzer bezieht, ist ein zäher Kerl. Er verhandelt streng und ist unerbittlich mit Dieben. Dennoch realisiert er, dass es als ‚Pusher‘ nichts auf der Straße zu erreichen gibt. Der Traum von einer besseren Welt, in der er sich um Geld keine Sorgen mehr machen muss, scheint unerreichbar, was ihm sein Partner in Gesprächen zwar als realistischer, aber wenig vertrauenserweckender Nebenspieler bestätigt.

Der Plan: Mit einem Handel von 30kg Kokain soll der Traum wahr werden. Doch im Sumpf von mehr oder weniger korrupten Polizisten, anderen Drogenhändlern und mafiösen Strukturen lässt sich nicht leicht schwieriger Aussteigen.

Priest aber vertraut auf sein Geschick und seine Freundin, die ihm letztendlich hilft das Geld abzuzweigen und zu sichern.

Die Schauspieler sind sicherlich eine Fehlbesetzung. Ron O‘Neal, der Priest spielt, schafft es nicht ansatzweise, die nötige Zerrissenheit zwischen Stolz und Verzweiflung, Stärke und Ohnmacht oder ‚Pimp‘ und Opfer darzustellen. Neben ihm wirken jedoch die anderen Darsteller weniger blass, weil er wortwörtlich einer der blassesten im Film ist. Kurzum, das Spiel ist überwiegend in Qualität bescheiden. Dazu schaffen es selbst die Dialoge, nur hier und da hervor zu blitzen: So unterhalten sich Priest und sein Partner Eddie nach einer Unterredung mit der Polizei über ihre Möglichkeiten für die Zukunft. Wie aus heiterem Himmel setzt dabei Eddie zu einem Monolog an, der dem gesamten Film einen Rahmen gibt, der den Film in sein Genre presst und der nicht zuletzt als ein Meilenstein der Blaxploitation-Ära gelten kann.

„I went along with that thing of yours about getting out cause I had nothing else. When I get out what am I gunna do? I don’t know nothing else but dope, baby. Takin’ it, sellin’ it, bankrollin’ so other small time pusher. Ya know, you’ve got this fantasy in your head about gettin outta the life and setting that other world on its ear. What the fuck are you gunna do except hustle? Besides pimpin’? And you really ain’t got the stomach for that. Now man I ain’t puttin you down. If it wasn’t for you I probably wouldn’t be here, I’d be O.D’ed some place. I’m just trying to make it real, baby like it is. I mean, maybe this is what you’re supposed to do, maybe this is what you’re growing to. Just think about it, don’t throw it out, just, just think about it.“

Wie er jedoch auf einen solchen Gedanken kommt, nachdem er vorher noch von blankem Reichtum und eine super Drogendeal spricht, bleibt ungeklärt. So sticht besonders diese Minute, in der ich regelrecht inne hielt, aus dem filmischen Teil Super Fly‘s heraus. Und knüpft direkt da an, wo die Musik beginnt und sich in tiefsinnige Höhen – oder eben Tiefen – vorarbeitet. Die Texte in der Musik sprechen Bände und Vermitteln dem Hörer von Anfang an, was der Film will und was er verarbeitet. Die Musik ist die Blüte der Rose, die sonst nur mit Dornen aufwarten kann.

Schönheit entsteht aber bekanntlich beim ‚hingucken‘, so dass dem Film selbst wohlwollend nur ein Befriedigend verabreicht werden könnte. Da helfen auch rasante Kameraaufnahmen aus der ersten Verfolgungsjagd, die einfühlsame Badeszenerie zwischen Priest und seinem Mädchen oder charmanten Martial-Arts-Kloppereien am Ende nichts.

Aber die Musik. Die Musik tönt, summt, schwirrt, schreit und bäumt sich auf, dass es einem warm ums Herz wird. Das liegt zum einen an der hervorragenden Stimme Curtis Mayfields, die im Falsett sicher zwar gewöhnungsbedürftig, aber grandios, fast englisch, über Probleme klagt, die keiner im südlichen Manhattan kennt.

Ach, was tut es mir Leid, dass Priest die Musik offensichtlich nicht hört. Er ist der traurige Anti-Antiheld, der Frauen aus Überzeugung schlecht behandelt, und nicht, weil er nicht anders kann. Der Drogen verkauft weil er es will, und nicht weil er es kann.

Schließen will ich mit einer bizarren Beobachtung: Priests Partner Eddie sieht nicht nur so aus, er spricht auch so wie der neue und immer ‚schwärzer‘ werdende Stern am USAnischen Himmel: Denzel Washington. Doch diesem selbstgefälligen, vor Schmalz triefenden Pathos (lies: Herr Washington) werde ich mich ein anderes mal widmen.

Hui, jetzt geht‘s zurück nach Hause. Das war ein toller Film, vor allem die Action-Szenen waren einsame Spitze. Wie der Kameramann wohl mit gelaufen ist, wenn sie sich verfolgt haben. Das habe ich selten gesehen. Bestimmt wird der Film viele Preise gewinnen. Allerdings spielt eben auch nicht Gene Hackman mit, also vielleicht kein Preis.


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